Immer mal wieder stellt sich die Frage - lohnt es den Aufwand einen kaputten Reißverschluss in der Jeans oder einer anderen vergleichbar gearbeiteten Hose zu wechseln - oder nähen wir lieber gleich NEU

.
Im Grunde ist es nicht wirklich schwer, diesen Reißverschluss zu erneuern - es braucht nur etwas Geduld.
Jene ist mehr gefordert beim Vorbereiten. Man muss erst einmal trennen....

Ich bevorzuge dabei den Nahttrenner.
Sieht die Hose dann so aus

ist sie bereit, einen neuen Verschluss anzunehmen. Es ist wichtig, dass der Untertritt lose und auch der Belag für den oberen Teil des Reißverschlusses aufklappbar ist. Wenn es einen Bund gibt an der Hose, ist es sinnvoll, diesen 4- 5 cm zu lösen (beim Trennen muss man ja das alte Band auch abmachen können). Bei meinem Beispiel gab es keinen Bund und es war eine Frauenhose = andersherum als bei Jeans. Dennoch - egal welche Seite - es ist immer der gleiche Weg und ich hoffe, ich kann ihn damit erklären.
Schritt 1 also ist erledigt.
Schritt 2 ist - den RV
(ich kürze jetzt der Einfachheit halber mal in die gängige Beschreibung RV ab) erst einmal so einlegen, das ihr erkennt, wie kommt er denn hinein

, damit es nach dem Nähen funktioniert mit dem An- und Ausziehen.
Ich sichere mir die "richtige" Position mit einer Stecknadel und dann wird das RV-Band auf den Untertritt gesteppt.
Man muss sich die Hose dafür ein bisschen zurechtdrehen. Unter Umständen kommt man nicht ganz bis oben an - wenn der Bund den Transport verhindert. Das ist aber nicht so schlimm, da die 2. Naht das Ganze dann richtig fest macht.
Das ist
Schritt 3:
Dafür habe ich kein Bild, aber es ist einfach zu erklären. Der Untertritt wird nun wieder so unter den RV Schlitz geschoben, wie er vorab war. Der RV schaut mit der Spirale seitlich heraus. Nun wird neben der Bruchkante knapp abgesteppt. Damit verbindet ihr Hosenteil, Untertritt und RV-Band vollständig. Bei Jeans ist das die
(wenn man an sich runter schaut) 
rechte Seite. Ist der Bund ein Stück offen, dann könnt ihr das RV Band ganz hineinschieben.
Schritt 4: Die andere Seite ist nun dran.
Schaut bitte einmal, man muss den Beleg vollständig aufklappen können.
Ihr seht vielleicht schon die Stecknadelkuppen in gelb

auf der ganz rechten Seite. Bild 4 zeigt, was sie schon halten.
Jetzt links im Bild - das RV-Band, das als Nächstes aufgesteppt wird.
Es wird nur auf den Beleg gesteppt! Meine Empfehlung - aufnadeln und erst einmal "Schließprobe" machen

. Das heißt - RV zu machen und schauen, ob der geschlossene RV dann auch richtig sitzt, d.h. die Hose nicht verzogen wird oder der RV Schlitz überlappt.
Schritt 5: Ist der Sitz passend, wird gesteppt.
Auch hier ist es erforderlich, dass man den Belag ein wenig aufdreht zum nähen.
Ist das 2. RV-Band drin, kommen wir zur "schönen" Seite - nämlich der sichtbaren Steppnaht, die auf der Hose links
(beim runterschauen) ist. Meist wird sie doppelt gemacht - wir fangen erst einmal mit einer an.
Schritt 6:
Wenn es sich um eine Hose handelt, die schon einen RV hatte (wir sind ja hier thematisch beim Wechseln, nicht beim Neu nähen

) hat man meist alte Einstichlöcher oder bei Jeans die typischen "Zeichnungen" die deutlich machen - hier war eine Naht. Diese kann man nutzen, um den Weg zu finden, den man mit der Maschine gehen muss. Hat man keine Wiederfindungsmarkierungen, kann man Schneiderkreide nutzen und sich die Form vorzeichnen.
Wie auch immer, ich beginne oben zu steppen - und zwar genau bis zu dem Punkt, wo bei der Hose im unteren Bereich Ober- und Untertritt zusammenkommen. Dort wird auf der Stelle vernäht und abgeschnitten. Nun wird unter der Maschine der Untertritt mit dazu gelegt und meine Naht wird weiter geführt.
Verriegeln, damit nichts aufgeht... und die Rundung langsam ausgeführt, damit sie schön wird.
An der Schrittnaht endet dann das Ganze.
Dazu wurde der Nähmaschinenfuß getauscht. Bei den ersten Schritten habe ich mit dem RV-Fuß gearbeitet, jetzt ging es mit dem normalen Fuß weiter.
Diese geteilte Naht wiederhole ich ein 2. Mal und dann wird, wenn alles geklappt hat über der Nahtunterbrechung ein Querriegel gemacht. Ganz schmal eingestellt - 1 mm Stichlänge über den Bereich, der auch beim Anziehen am Stärksten beansprucht wird.
Im Grunde sieht man beim Trennen schon, wie es zu nähen ist - man muss sich nur herantrauen.
Mut und Erfolg dazu wünscht Anne
PS: Eine weitere Anleitung - zum Jeans kürzen gibt es
hier.