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Schritt für Schritt: Entstehungsprozesse

Anderen beim Nähen über die Schulter zu schauen kann eine spannende Sache sein. Man lernt neue Tricks und Kniffe, verfolgt Freude und manchmal auch Verzweiflung und bekommt Ideen für eigene Kreationen. Hier könnt Ihr Schritt für Schritt den Entstehungsprozess Eurer Werke dokumentieren, angefangen vom Stapel mit den ausgesuchten Stoffen und dem Schnitt bis hin zum fertigen Stück. Am besten schreibt Ihr während Ihr näht, dann können andere mitfiebern und Ihr werdet gleichzeitig motiviert.


langer Weg ins Mittelalter

Schritt für Schritt: Entstehungsprozesse


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  #1  
Alt 04.05.2005, 15:34
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langer Weg ins Mittelalter

Nachdem ich nun ein Jahr lang mich immer mal wieder mit diesem Thema beschäftigt habe, ist nun gestern Abend mein Unterkleid aus Leinenstoff (uralte Bettwäsche vom Flohmarkt) dank eurer Mithilfe fast fertig geworden.

Die Schnitte könnt ihr hier für mich und hier für meinen Mann. sehen.

Jaja ... mein Anspruch an Perfektion ... für eine Epoche nämlich ca. 1150 und den Stand mußte ich mich endlich entscheiden und so werden wohl bis zum 13. Mai kaum alle Borten bei mir eingetroffen sein. Aber dann muß es zu diesem Markt in Rothenburg ohne gehen. Bis Reichelsheim Ende des Monats werden wir fertig sein.

Doro
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  #2  
Alt 04.05.2005, 15:57
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AW: langer Weg ins Mittelalter

Hallo Doro,
da habe ich doch gleich mal eine Frage zu den Schnittmustern:
Nirgendwo im Netz habe ich bisher eine Technische Zeichnung dazu finden können- und so kann man immer nur raten, wo da wohl Nähte und hinterhältige, weil nicht erwünschte, Abnäher sitzen.

Kannst Du ein wenig was erzählen?


Liebe Grüße
Louise
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  #3  
Alt 04.05.2005, 17:22
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AW: langer Weg ins Mittelalter

Nachdem der Saum gesteckt ist, nun der Versuch einer Antwort.

Es geht um das Schönheitsideal und die damaligen handwerklichen Möglichkeiten des Mittelalters um 1150. Es gab noch keine Scheider, denn die brauchte man erst später, als man die Taillie herausarbeitete und das mit den Korsetts anfing. Auch brachte man die Anatomie nicht so arg mit den Körperschnitten in Zusammenhang. Dürer war später!

Also das Kleidernähen war Hausarbeit. Man kaufte sich einen Stoff und im Prinzip nähte man als einfacher Mensch gerade Stoffteile (ohne Schulterabschrägung, Abnäher für Schulterrundung, Taille usw.) als Tunika ... also T-Shirt in Reinstform) zusammen. Stoffbreite immer ausgenutzt. Eine Breite von 60 bis 80 gab gut ein Erwachsenenkittel. Er sollte ja auch eine Weile passen ... auch wenn der Bursche einen Bauch bekommt, oder die Magd schwanger wird, mußte man so nix neues nähen. Das zum einfachen Volk.

Warst du betucht und konntest es dir leisten, setztest du in die Seitennähte Geren (Stoffkeile) ein. Oder auch eine Gere mittig im Vorder- und Rückenteil. Schnittschemen findest du bei Bliautlady oder bei www.flinkhand.de

"hinterhältige" Abnäher habe ich nirgends gefunden.... Nähte, da wo zugeschnitten wobei die Gehren mal mittig zerschnitten, mal ganz sind. Je nach dem wie der Stoff ausgenutzt werden kann.

Bei den gezeigten Schnitten waren die Schnittkonstrukteure dazu bereit eine kleine Andeutung einer Armkugel zu machen. Was im Soffbruch oder doch nicht zugeschnitten werden soll, ist recht unklar, da bei dem Schema zum Zusammennähen das Vorderteil doch eine Mittelnaht hat und auch die Geren Da hätte ich mir den Aufwand des Einnähens am Stück mit nur einem Einschnitt bis zur Taille ersparen können

Frage soweit beantwortet. Ich muß nähen.

Doro
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  #4  
Alt 04.05.2005, 17:41
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AW: langer Weg ins Mittelalter

*oberlehrermodusan*
Im 12. und 13. Jh. wurde die Körperform betont, das stellte eine neue Herausforderung an die Mode dar, denn nun mußten die Kleider "zugeschnitten" werden. Darum entwickelte sich in der 2. Hälfte des 12. Jhs. das Schneiderhandwerk.
"[...]Um das Gewand dem Körper anzupassen, mußte der Stoff in der Taille ausgeschnitten und am Rock - durch das Einsetzen von Teilen, den "gêren" - verbreitert werden. Seit dieser Zeit ist der Schnitt das wichtigste Element der europ. Mode geblieben. Erst durch den Schnitt war es möglich, die Gewänder von der durch die Breite des Webstuhls bedingten Stoffbreite unabhängig zu machen und ihnen jede beliebige Form zu geben. [...]
Da die Mode die Schönheit des weibl. Körpers immer mehr zur Geltung bringen wollte, mußte sie neue technische Verbesserungen hervorbringen und nach der Entdeckung der Taille die Erfindung des Verschlußes in Angriff nehmen: Die Kleider wurden nunmehr an der Seite oder auf dem Rücken in Taillenhöhe aufgeschnitten und dann mit Bändern so eng wie möglich wieder zusammengeschnürt. Am Halsausschnitt und an den Ärmeln wurden ebenfalls Verschlüsse angebracht." Erika Thiel "Geschichte der Mode"
Das bezieht sich natürlich nur auf die höfische Mode. Die Bauern trugen Hemdröcke und Hosen, halt das, was man immer schon trug.
Ich empfehle immer gerne Erika Thiel, weil bei ihr sowohl die höfische als auch die bäuerliche Kleidung beschrieben wird und sie auch auf Stoffe und andere Dinge der Mode eingeht!
*oberlehrermodusaus*
Grüße,
Darcy
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  #5  
Alt 04.05.2005, 18:41
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AW: langer Weg ins Mittelalter

ja diese Beschreibungen kenne ich auch, aber unsere Gewandung soll mal gerade so noch ohne diese Schnürungen überall auskommen.

Wir kommen also diekt aus einer hinterwäldlerischen Burg. Ein Schneider kam nie hierher. Da auf Reisen und ohne Zofe mit dem Minnesänger aus adliger Abstammung geflohen, werde ich im Überkleid vielleicht eine kleine Schnürung auf der Seite machen. Das entscheide ich, wenn noch Zeit ist. Aber nicht so eine arge Fältelung wie hier http://www.flinkhand.de/Handarbeiten...ut/bliaut.html Da würde auch mein Bauch zu arg zur Geltung kommen. Muß ja nicht sein.

Mein Hemd ist ganz fertig und fotografiert. Jetzt kommt das Hemd meines Mannes dran

Doro
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