Nachdem der Saum gesteckt ist, nun der Versuch einer Antwort.
Es geht um das Schönheitsideal und die damaligen handwerklichen Möglichkeiten des Mittelalters um 1150. Es gab noch keine Scheider, denn die brauchte man erst später, als man die Taillie herausarbeitete und das mit den Korsetts anfing. Auch brachte man die Anatomie nicht so arg mit den Körperschnitten in Zusammenhang. Dürer war später!
Also das Kleidernähen war Hausarbeit. Man kaufte sich einen Stoff und im Prinzip nähte man als einfacher Mensch gerade Stoffteile (ohne Schulterabschrägung, Abnäher für Schulterrundung, Taille usw.) als Tunika ... also T-Shirt in Reinstform) zusammen. Stoffbreite immer ausgenutzt. Eine Breite von 60 bis 80 gab gut ein Erwachsenenkittel. Er sollte ja auch eine Weile passen ... auch wenn der Bursche einen Bauch bekommt, oder die Magd schwanger wird, mußte man so nix neues nähen. Das zum einfachen Volk.
Warst du betucht und konntest es dir leisten, setztest du in die Seitennähte Geren (Stoffkeile) ein. Oder auch eine Gere mittig im Vorder- und Rückenteil. Schnittschemen findest du bei
Bliautlady oder bei
www.flinkhand.de
"hinterhältige" Abnäher habe ich nirgends gefunden.... Nähte, da wo zugeschnitten

wobei die Gehren mal mittig zerschnitten, mal ganz sind. Je nach dem wie der Stoff ausgenutzt werden kann.
Bei den gezeigten Schnitten waren die Schnittkonstrukteure dazu bereit eine kleine Andeutung einer Armkugel zu machen. Was im Soffbruch oder doch nicht zugeschnitten werden soll, ist recht unklar, da bei dem Schema zum Zusammennähen das Vorderteil doch eine Mittelnaht hat und auch die Geren

Da hätte ich mir den Aufwand des Einnähens am Stück mit nur einem Einschnitt bis zur Taille ersparen können
Frage soweit beantwortet. Ich muß nähen.
Doro